Wander-Tipp

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Die Kunst zu wandern und zu wandeln!

 und jeder Donnerstag ein neuer Tipp auf

Wander-Tipp Villeneuve - les Grangettes :

Auwälder, Teiche, Schilf und Seebrandung -
die magische Hochzeit zwischen Wassernixen und Baumelfen.

Grunddaten und Anreise
Länge gut 9 km - Wanderzeit 2¼ Stunden
Anreise mit dem Zug nach Villeneuve
Villeneuve (375 m) – Vieux-Rhône (373 m): 1 Std
Vieux-Rhône - les Grangettes - Villeneuve: 1¼ Std

 

Beschrieb
Vom Bahnhof Villeneuve wandern wir dem See entgegen. Dort folgen wir der Strand-Promenade in linker Richtung und überqueren nach dem Camping-Platz den Fluss Eau-Froide. Hier treffen wir auf diejenigen Wanderer, die fürs Auto auf die andere Strassenseite beim Sportplatz 400 Gratisparkplätze vorfinden (beschildert am Autobahnseitigen Städcheneingang). Gleich nach der Brücke rechts beginnt der Wanderweg zum Naturreservat les Grangettes. Wir folgen zuerst der Asphaltstrasse bis zum weissen Plakat „Etang de l’Ecu d’Or“. Dort auf rechter Hand gelangen wir nach ein Paar Schritten zum besagten Teich -  ein erster Abstecher in das wilde Feuchtgebiet. Von dort zurück auf der Strasse wandern wir weiter auf die Asphaltstrasse und folgen bei der nächsten Gabelung dem rechten Wegast. Kurz darauf gelangen wir in Kulturland. Bei der nächsten Wegkreuzung setzen wir geradeaus fort (dem roten Skaterschild folgend) und erreichen danach den Grand-Canal, den wir überqueren und weiterhin geradeaus wandern. Links lädt uns ein grösserer Teich zu einer Pause ein. Nach dem Teich setzen wir die Wanderung fort und biegen bei der nächsten Gelegenheit links ab. Im Schutz des Waldes öffnet sich der Hafen Vieux-Rhône und bietet sowohl den Böötlern, wie der Fauna ein gemütliches Zuhause an.

 

Vom Vieux-Rhône aus gehen wir zurück und überqueren wieder den Grand Canal, dem wir nun in Seerichtung entlang folgen. Vor dem See biegt der Wanderweg gegen Les Grangettes rechts im Auwald hinein. Im Zeltplatz folgen wir zuerst dem Zaun und biegen später rechts dem Ausgang entgegen. Danach gehen wir auf der kleinen Strasse bis zu der Häusergruppe der Grangettes. Hier wandern wir geradeaus und kurz darauf auf rechter Hand, dem Schild „Villeneuve“ folgend. Auf dem kleinen Erdpfad tauchen wir in die Wildnis des Naturreservats hinein – ein „Urwald“ mit viel Schachtelhalm, Moos und Morsches. Unterwegs lädt ein Schild „Jardin“ zu einem Abstecher in einer kultivierten Blumenoase mit einer gemütlichen Bank direkt am Seeufer. Links und rechts vom Pfad zweigen kleinere 20 bis 30 cm breite Pfade ab : diese sind nicht dazu gedacht, um Menschen weiter ins Dickicht einzuladen, sondern sind von Dachsen auf ihren regelmässigen Streifzügen bis zum Seeufer angelegt worden. Nach etwa einem Kilometer treffen wir auf dem Asphaltweg, den wir beim Hinkommen benutzt haben. Dort wandern auf linker Hand gegen Villeneuve zurück.
Zum Schluss ist ein Abstecher durch das alte Herzquartier des Städchens durchaus lohnend.
 

Abwechslungsreiche Landschaft zwischen Berg und See
Das Naturreservat Les Grangettes ist durch den früheren unsteten Verlauf der Rhône entstanden. In diesem Delta hat der Fluss laufend neue Schlaufen, Teiche, Kiesbänke und Moorflächen entstehen lassen, bis ihm der Mensch im 19. Jahrhundert durch Dämme ein festes Bett aufgezwungen hat und grosse Moorflächen durch Drainage in Kulturland umgewandelt hat. Die heute verbleibenden 40 Hektaren vom Moor Gros Brasset und die angrenzenden Auwald- und Schifflächen sind die grössten Feuchtgebietflächen im Genferseebecken. Sie haben für Flora, wie Fauna einen international bedeutenden Charakter insbesondere für Wasser- und Zugvögel. Von 385 in der Schweiz beobachteten Vogelarten, wurden hier 265 mindestens einmal gesehen, etwas mehr als 70 brüten regelmässig im Reservat, darunter der bunte Eisvogel. Gute Beobachtungswarten befinden sich auf der Kiesebene am Waldeingang bei Villeneuve und am Dammende vom Grand-Canal. Im übrigens sehenswerten alten Dorfkern – Grand-Rue 17 – befindet sich ein kleiner Ausstellungsraum über die Schilfbestände, der auch Bücher, Vogelgesangs-CD und weitere Informationen über das Reservat vermittelt. Mittlerweilen haben menschliche Konstruktionen im Reservat nicht mehr den Sinn die Natur einzuschränken, im Gegenteil schützen neuere Steindämme die Schilfbestände gegenüber der Erosion durch Seegang und Treibholz.


Magische und geheimnisvolle Pflanze - Mistel beim Etang de l'Ecu d'Or

Anschliessend an der Strand-Promenade von Villeneuve wird der aufmerksame Wanderer im Wald schon bald durch die etwas wilde und intensive Stimmung links und rechts des Wegs interpelliert. Der Neugierde folgend begeben wir uns rechts beim Schild "Etang de l'Ecu d'Or" ins Augelände und stossen dabei nach wenigen Schritten schon auf einem lauschigen Teich. Jetzt wird der Wanderer richtiggehend von der stille Wildnis eingenommen – beim Beobachten dieser feuchte Welt ist das nahe Strässchen schon bald vergessen. Seerosen, Amphibien und Libellen umschwärmen den Besucher mit ihren zartgliedrigen Reizen. Um den Teich zeugen die zahlreichen Mistelkugel davon, wie sehr die Vögeln diesen Ort der Kraft schätzen. Jene Vogelarten tun sich im Winter an den Mistelbeeren gütlich. Um den Samen befinden sich klebrige Fäden, so dass Vögel die am Schnabel haftenden Samen an Äste abstreifen. So besiedelt die "schlaue" Mistel neue Lebensräume hoch in den Baumkronen. Vögel sind Symboltiere der Erdgöttin und so gesehen ist das Feiern von Beltane, das Fest der aufsteigenden Naturkräfte, in diesem Vogelparadies sicherlich gut aufgehoben.
Nach dem Verlassen dieses ersten Kraftorts hat sich der Rhythmus des Marsches und vor allem der innere Rhythmus des Wanderers schon deutlich entschleunigt und lässt der Begegnung mit dem Feinstofflichen bereits mehr Freiraum. Trotz  Asphaltsträsschen wirken die Lichtungen und Waldabschnitte ziemlich reiz- und geheimnisvoll.


 Äussere Ruhe - innere Dynamik : Einblick in die duale Welt vom Auwald

Die heitere Stimmung im angrenzenden Kulturland bildet einen starken Kontrast mit der Waldstimmung, deren Besinnlichkeit erst jetzt richtig auffällt. Trotz allem menschlichen Einfluss in dieser Ebene, wirkt dieser Abschnitt ebenfalls als Kraftort. Dieses Gefühl ist besonders ausgeprägt, wenn man gegen Süden talaufwärts schaut und die mächtige Bergkulisse auf sich einwirken lässt. Das Kraftortgefühl rührt daher, dass wir uns hier voll auf dem Energiefluss der Rhône befinden. Wir stehen ziemlich genau in der Mitte der Ebene, wo kanalisiert durch die hohen Bergen die Energien der Rhône und aller Nebentäler dem Wanderer entgegen fliessen. Hier ist dieser Fluss ausgeprägt spürbar, am Rande der Ebene hingegen, wie beispielsweise beim Ausgangspunkt in Villeneuve, ist dieses Gefühl kaum mehr erfahrbar.

Nach dem Grand-Canal verleihen rechts der Teich und links die Moorlandschaft der Stimmung eine grössere Tiefe, ja sogar etwas Mysterium. Die wiederholten Rufe der Amphibien lassen den Besucher vorsichtiger schreiten, mit verschärft aufmerksamen Sinnen in die Kleinode hineintreten. Der Wanderweg verläuft ganz nah dem Teich entlang und reizt schon bald wieder zum Weiterziehen. Gegen Norden blickt man in das Kerngebiet des Reservats : die Moorlandschaft La Praille - Gros Brasset. Der Wechsel zwischen sattgrünen Wäldern, bunten Wiesen, goldenen Moorgras-Flächen ist äusserst reizvoll und tut den Augen, wie der Seele gut. Als nächstes erreichen wir den Vieux-Rhône - eine grosszügige alte Flussschlaufe, die mit dem See verbunden ist. Ringsherum schmiegt sich der Auwald bis an das Wasser heran und die Paar Bretterstege zu den Booten stören den naturbelassenen Eindruck des Ortes kaum. Der grosse Teich ist für Wasservögeln, Insekten aller Art, sowie wasserliebenden Nattern ein beliebter Treffpunkt. Die herrliche Ruhe lässt auch die Menschen etwas leiser und gelassener als üblich handeln.


Teich zwischen Grand Canal und Vieux-Rhône
 

Wo sich Wassernixen und Baumelfen zur magischen Hochzeit treffen
Dort wo der Grand Canal im Genfesee hineinragt, spannt sich die Himmelskuppe in einen grosszügigen Bogen über den Wanderer. Links erheben sich die kräftigen, französischen Berghängen empor, vorne die im Dunst eingehüllten waadtländer Weiten um den See, in der Ferne die Juralinie und etwas näher die rundlichen Kuppen der Weinberge, unmittelbar auf rechter Hand den Schilfgürtel, der fast durchgehend bis Villeneuve reicht. Hier zweigt ein kleiner Pfad im Auwald hinein und führt uns für einmal unmittelbar ans Ufer. Hier bietet sich dem Kraftort-Wanderer die Gelegenheit an, eine genüssliche Pause, eine längere Meditation einzulegen. Dieser Kraftort ist von Gegensätzen geprägt : die stete Bewegung des Wassers gegen das stille Stehen des Schilfs, das Gleiten der Wolken über den ruhenden Rahmen der Berge um den See, eben die magische Hochzeit zwischen den waagrechten Lichtspielen der Wasseroberfläche und der senkrechten Achse der darum wachenden Auwald-Bäume. Jetzt sind wir an der Grenze angelangt, wo sich Baumelfen und Wassernixen begegnen und in stetem Hin-und-her austauschen.

Freyr und Freya zeugen in der magischen Nacht vom 30. April auf den ersten Mai den Frühling und passend zur Liebesthematik vom Mai hat die Landschaft in Les Grangettes noch, was ganz Besonderes anzubieten. Hier brüten zahlreiche Nachtigallen, 2008 wurden 26 Paare gezählt. Während der Brutzeit von Mitte April bis Mitte Juni singen die Nachtigallenmännchen auch tagsüber, während der Morgendämmerung vermutlich vorwiegend zur Revierverteidigung. Der äusserst reiche und wohltönende Gesang galt früher als schmerzlindernd und sollte sogar Kranken schneller genesen lassen. Jedes Männchen beherrscht zwischen 120 und 260 unterschiedlichen Strophetypen, die meistens zwei bis vier Sekunden lang sind - eine bemerkenswerte Gedächtnisleistung. Im Volksmund kündigt die Nachtigall den Frühling an, wird als Vogel des Wonnemonats Mai und Symbol der Liebe gepriesen. Im dichten Gebüsch und feuchtem Gelände fühlt sich dieser Liebesdichter wohl.
Lieblichkeit vermitteln auch die Waldabschnitten mit den dichten von Dachsspuren gegliederten Schachtelhalmen-Beständen, sowie die stillen üppiggrünen Wassergräben. Dem zweiten Kanälchen entlang ergibt sich noch eine letzte Möglichkeit in Ufernähe die süsse Frühlingsstimmung noch eine Zeitlang zu verinnerlichen.


...und der Gesang der Nachtigall geniessen.

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aktualisiert 10.04.2026
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